Kurz-Konzept

Die Prinzipien unserer Schule

Krabbeln, Laufen, Sprechen – all das lernen Kinder ohne fremde Hilfe und Lehrer. Wir Eltern haben ihnen eine altersgerechte und sichere Umgebung geschaffen. Wir waren ihnen auf eine selbstverständliche und natürliche Art Vorbild, indem wir z.B. mit ihnen gesprochen haben. Wir haben sie einfühlsam begleitet, waren für sie da, wenn sie die Arme nach uns ausstreckten. Wir haben sie getröstet, wenn sie hinfielen. Wir haben gestaunt, wie schnell sie wieder losliefen.

Warum soll diese natürliche Art des Lernens mit dem Schuleintritt beendet sein? „Die Kinder sind biologisch dafür ausgestattet, ihre Bildung selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Peter Gray, amerikanischer Psychologieprofessor. „Wenn ihnen die Freiheit und die Mittel gegeben werden, ihre eigenen Interessen in einer sicheren Umgebung zu verfolgen, dann blühen sie auf, entwickeln sich entlang vielfältiger und unvorhersehbarer Pfade und erwerben sich die nötigen Fähigkeiten und das nötige Selbstvertrauen, um die Herausforderungen des Lebens zu meistern.“

Ziel der Schule des Lebens ist es, einen Bildungsort anzubieten, an dem junge Menschen die Möglichkeit haben, ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu bewahren und zu erweitern, die sie für ihr sinnerfülltes, selbstbestimmtes und glückliches Leben brauchen. Sie sollen auch dazu inspiriert werden, sich Fähigkeiten anzueignen, welche in der heutigen Informationsgesellschaft für einen erfolgreichen Werdegang zentral sind.

Die Schulabgänger der Schule des Lebens Potsdam…
finden originelle Lösungen für komplexe Probleme.
übernehmen Verantwortung für sich UND die Gemeinschaft.
handeln ökologisch nachhaltig.
haben Lust, die Zukunft zu gestalten.
fühlen sich als wichtiges, wertvolles Mitglied der Gesellschaft.
wissen, dass sie genau so richtig sind, wie sie sind.
können flexibel auf die Anforderungen der Zukunft reagieren.
sind begeistert und haben Freude am Lernen.
besitzen die Fähigkeit, Emotionen und Standpunkte anderer zu verstehen.
fühlen sich verstanden.
können kritisch denken.

SELBSTBESTIMMUNG – bedürfnisorientiertes Lernen

Wir vertrauen den Kindern. Sie entscheiden, was, wann und mit wem sie lernen. Sie gestalten ihren Lernprozess selbst.

Es gibt keinen Stundenplan.
Es gibt keinen vorgegebenen Unterrichtsstoff.
Die Kinder haben Zeit, sich ausschließlich mit dem zu beschäftigen, was sie im Moment begeistert und wo sie leidenschaftlich dabei sind. Sie bestimmen, ob, wann und wie sie sich Wissen aneignen und mit wem sie lernen. Dadurch können sie sich ganz in ihr Thema vertiefen. Ihr Forscherdrang wird nicht von außen gestört. Der Lernimpuls geht immer von ihnen aus. Sie bestimmen, ob und welche Angebote die Lernbegleiter machen sollen.

So erwerben die Kinder viele Meta-Kompetenzen. Sie lernen u.a.:

⦁ sich auseinanderzusetzen und dranzubleiben,
⦁ Verantwortung für ihr Interesse zu übernehmen,
⦁ Hürden zu überwinden,
⦁ nach Lösungen zu suchen,
⦁ vorhandenes Wissen mit neuem zu verknüpfen,
⦁ quer zu denken,
⦁ andere einzubinden.

Sie stärken ihren Selbstwert und ihre Körper- und Gefühlswahrnehmung – die Voraussetzung für ein gesundes Leben.

MITBESTIMMUNG – demokratische Kompetenzentwicklung

Die Kinder und Jugendlichen entfalten die in ihnen angelegten Potentiale und entwickeln in der Gemeinschaft soziale Kompetenzen. Demokratische Schulen sind Orte von Freiheit und Kooperation. Jeder ist frei zu tun, was er möchte. Wo seine Freiheit aufhört und die eines anderen anfängt, wird gemeinsam diskutiert und entschieden.

Die Schüler leben Demokratie und gestalten sie
Wenn die Kinder und Jugendlichen selbst bestimmen was, wann und wie sie lernen möchten, ist Mitbestimmung im Schulalltag die logische Konsequenz für uns. Nur so können die Kinder die für sich optimale Lernumgebung kreieren.
In demokratischen Schulen regeln die Kinder ihren Schulalltag selbst. In der Schulversammlung, die wöchentlich stattfindet, treffen sie wichtige Entscheidungen. Angefangen bei den Regeln des Zusammenlebens bis hin zur Verteilung des Budgets für Lernmittel. In der Schulversammlung hat jeder eine Stimme – sowohl der Lernbegleiter als auch der sechsjährige Schüler.

Die Schule des Lebens Potsdam lehnt sich an das Konzept der 1968 gegründeten Sudbury Valley Schule in den USA an. Als Mutter aller Demokratischen Schulen gilt Summerhill in England, das 1921 von A.S. Neill gegründet wurde. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 200 Demokratische Schulen. 14 sind es in Deutschland. Die bekanntesten sind die Kapriole in Freiburg und die Netzwerkschule Berlin.
Hinsichtlich der Gestaltung der demokratischen Prozesse ist jede dieser Schulen anders. Auch wir setzen uns vom ersten Tag der Schulinitiative mit unterschiedlichen Mitbestimmungsprozessen auseinander. Uns ist es wichtig, dass es ALLEN an unserer Schule gut geht, dass Minderheiten gehört und ihre Bedürfnisse geachtet werden. Wir wollen die Kinder nicht überfordern und ihnen gleichzeitig Verantwortung übertragen.

EINFÜHLSAME BEGLEITUNG

Es gibt keine Lehrer, die unterrichten und erziehen. Es gibt Lernbegleiter, die in eine gleichwürdige Beziehung zu den Schülern gehen.

Sie begleiten die Kinder bei den emotionalen Prozessen. Sie beobachten und unterstützen, wo es gewollt ist und gebraucht wird. Sie übernehmen die Führung, aber sie üben keine Macht aus. Sie wachsen und entwickeln sich gemeinsam mit ihren Schützlingen.

Es gibt keine Noten. Es gibt generell keine Bewertungen, also keine Kritik und auch kein Lob.
„Lob und Kritik sind Beurteilungen und haben einen destruktiven Einfluss, wenn sie nicht durch Anerkennung ausbalanciert werden“, betont der dänische Familientherapeut und Bestsellerautor Jesper Juul immer wieder. „Kinder haben kein Bedürfnis Lob zu bekommen. Sie haben das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu werden.“
Mit Anerkennung ist nicht die Honorierung von erbrachten Leistungen gemeint, sondern die Annahme dessen, was das Kind gerade erlebt, fühlt und tut. Jedes Kind ist für uns und die Lernbegleiter ok wie es ist und wird nicht nach dem beurteilt, was es kann.
So bleiben Neugier und Spaß am Lernen erhalten. Weil es weder Druck noch Angst gibt, die das Kind blockieren.

„Mit großer Angst und unter Druck zu lernen, kann zwar rasches Lernen bewirken, ist jedoch kognitiven Prozessen nicht förderlich und verhindert zudem genau das, was beim Lernen erreicht werden soll: die Verknüpfung des neu zu Lernenden mit bereits bekannten Inhalten und die Anwendung des Gelernten auf viele Situationen und Beispiele.“ Manfred Spitzer (Psychiater, Psychologe, Hochschullehrer und einer der renommiertesten deutschen Gehirnforscher in seinem Buch „Lernen“, 2002, S. 157 ff.)

NATÜRLICHES LERNEN

Um unser Konzept von einem freien selbstbestimmten Lernen umsetzen zu können, brauchen wir eine entsprechende Umgebung – die Natur.

Interessiert sich ein Kind für Schmetterlinge, soll es die Möglichkeit haben, diese in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können – und nicht ausschließlich in Büchern oder Lehrfilmen. Die Kinder sollen die Welt mit all ihren Sinnen erforschen können. Sie sollen ausreichend Bewegung und frische Luft bekommen, egal bei welchem Wetter.

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“ lautet ein afrikanisches Sprichwort. Unsere Vision geht dahin, dass wir unsere Schule einbinden wollen in das ländliche Leben, in das Gemeindeleben.

Wir wünschen uns Kooperationen zu ansässigen Handwerkern, Betrieben und Einrichtungen. Da die Kinder weder im klassischen Sinne unterrichtet werden, noch durch einen vorgegebenen Stundenplan von ihren Interessen und Lernimpulsen abgelenkt werden, sind sie frei und herausgefordert, sich die Antworten auf all ihre Fragen selbst zu suchen. Bei ihren Schulkameraden, bei den Lernbegleitern, bei Experten. Und auch beim Gemeindemitglied von nebenan. Die ältere Frau, die sich mit Kräutern auskennt, der Bauer, der etwas vom Obstanbau versteht, der Imker, der Förster, die Bürgermeisterin, der Künstler – all sie können, wenn sie es wollen, mit ihren Lebenserfahrungen als „Lehrer“ fungieren.